Rezension: Mamuschka, Osteuropa kulinarisch entdecken

„Am liebsten tunkte ich am Schluss ein Stück Brot in die dillgetupfte rosa Dressingpfütze und schaute zu, wie sie in das Brot sickerte.“ Die Ukrainerin Olia Hercules hat mit Mamuschka ein wirklich wunderschönes Kochbuch geschrieben, das Osteuropa kulinarisch ins rechte Licht rückt. Wir haben es für euch durchgeblättert – und getestet.

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Schon das Cover ist so hübsch, das man das Kochbuch kaufen möchte.

Lagerfeuer-Hammelsuppe, moldawisches Fladenbrot mit Käse und Sauerampfer, sowjetische Gänsenudeln oder Kefir-Kräuter-Hähnchen, das ist Osteuropa kulinarisch, zumindest wenn es nach der 32-jährigen Olia Hercules geht. Geboren in der Ukraine, lebt sie nun in London, hat unter anderem in Yotam Ottolenghis Küche gestanden. Mit Mamuschka – Osteuropa kulinarisch entdecken hat sie ihrer Heimat und ihrer Familie ein Buch gewidmet, das Lust auf eine Reise Richtung Osten macht. Wir haben das Buch für unsere Freunde von der Kochschule Braunschweig getestet. Here we go.

Das 240-Seiten-dicke Buch ist erschienen bei Dorling Kindersley, der Verlag, in dem auch die Jamie Oliver Bücher erscheinen. Und DK kann Kochbücher. Matte Seiten, starke Fotos, schöne Aufmachung. Kurz: Das Buch ist schön.
Es gliedert sich auf in folgende Rezeptkategorien:
Suppen und Eintöpfe
Brot und Gebäck
Gemüse und Salate
Klöße, Nudeln und Co.
Fleisch und Fisch
Eingemachtes und Eingelegtes
Konfitüre und Kompott
Nachspeisen
Getränke

Jedem Rezept ist eine kleine Erzählung der Autorin vorangestellt, in der sie berichtet, wie dieser Salat sie an die Sommermonate bei ihrer Oma erinnert oder jenes Hähnchen, das ihr Vater mit Aprikosenmarmelade mariniert hat. Als Leser (und man liest dieses sehr persönliche Kochbuch, und durchblättert es nicht nur) hat man das Gefühl, bei der netten Familie Hercules mit am Tisch zu sitzen. Kulinarisch geht es von Aserbaidschan über Georgien bis nach Moldawien. Ich habe das georgische Stubenküken mit Koriander und den Rote-Beete-Salat mit saurer Gurke nachgekocht, um zu schauen, ob das Kochbuch nicht nur optisch punkten kann, sondern auch alltagstauglich ist und in der Küche Verwendung findet.

Um es kurz zu machen: Das Hähnchen hat alle Testesser umgehauen. Die Soße ist zum hineinknien, so viel Baguette kann man gar nicht essen, wie man in die Soße tunken möchte. Unbedingt nachkochen und unbedingt einen Haufen frischen Estragon hineinwerfen. Der Rote-Beete-Salat war in Ordnung. Nicht mehr und nicht weniger. Er war etwas zu trocken, dass ich viel mehr Öl hineingegeben habe, als im Rezept veranschlagt und da dann immer noch das Geschmackserlebnis fehlte, würzte ich noch mit reichlich Essig und Gurkenwasser nach.

Aber nun das Rezept für das geniale Hähnchen:

Georgisches Stubenküken mit Knoblauch

Zutaten für vier Personen:
zwei Stubenküken (hatte ich nicht, habe vier ordentliche Maispoulardenschenkel gekauft)
4 Knoblauchzehen fein gerieben
1/2 TL Cayennepfeffer
40 g Butter
1 EL Sonnenblumenöl
1/2 EL gehackter Estragon
1/2 EL gehacktes Basilikum
1/2 EL gehackte Petersilie
1/2 EL gehackter Dill
Meersalzflocken
gutes Baguette zum Dippen

Das Fleisch mit Knoblauch einreiben und mit Salz und Cayennepfeffer ordentlich würzen. Die Butter und das Öl in einer großen Pfanne mit dicken Boden erhitzen. Das Fleisch bei mittlerer Hitze drei Minuten anbraten. Umdrehen von von der Hautseite fünf Minuten bräunen. Die Temperatur herunterstellen. Das Fleisch mit Backpapier bedecken und eine zweite, kleinere Pfanne draufsetzen und beschweren. Das Fleisch so 20 bis 25 Minuten garen.

Das Geflügel, sobald es gar ist, aus der Pfanne nehmen und auf einem Brett fünf Minuten ruhen lassen. Die gehackten Kräuter ein bis zwei Minuten in dem Bratensaft schwenken. Das Fleisch anrichten, mit der Kräutersoße übergießen und mit Brot zum Stippen servieren. Bon appétit.

Fazit: Empfehlung. Es ist wirklich ein schönes Buch. Gäbe es hier so etwas wie eine Sternebewertung, würde ich vier von fünf Sternen geben. Aufmachung ist super hübsch, die Rezepte machen Appetit, viele Fotos, viele Rezepte, die den kulinarischen Horizont erweitern, allerdings, und hier kommt der Abzug, eins der zwei getesteten Rezepte waren sehr lasch gewürzt. Wer aber selbst nicht scheut, Rezepte abzuwandeln und dann selbst nachzulegen, ist mit Mamuschka – Osteuropa kulinarisch neu entdecken, sehr gut bedient.

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