Oma Traudchens hackfleischiger Rosenkuchen

Rosenkuchen, das klingt zart, weiblich, luftig, kitschig, rosa. Rosenkuchen von meiner Oma Traudchen ist etwas anders: Viel Teig, ganz viel Hackfleisch, mit ordentlich Käse überbacken. Ein Gericht wie ein Gedicht, das die ganze Sippe liebt. Und ihr werdet es auch mögen. Perfekt für Partys oder das romantische Candlelight Dinner zu zweit (wegen des Namens).

Rosenkuchen Oma Küche

Oma Traudchen und ihr Rosenkuchen

Oma Traudchen ist eine patente Frau in der Küche. Und sie kann fluchen wie ein Seemann. Das ist ziemlich großartig in Kombination. So entflutscht ihr beim Zwiebelschneiden schon mal ein kräftiges Scheiße oder auch anderer Schietkrams. Außerdem ist sie ein Sprücheklopfer vor dem Herrn, sagt Petersilke statt Petersilie oder zum Bleistift statt zum Beispiel. Es ist eine Freude, sie beim Schnibbeln, Rühren und Verkosten zu beobachten. Kochen kann Oma Traudchen gut, herzhaft und deftig. Nach dem Krieg war sie „in Stellung“. Das heißt, sie musste in einem fremden Haushalt arbeiten, war dort Mädchen für alles: sauber machen, Wäsche waschen, kochen. „Ich habe es schwer gehabt, durfte nie nach Hause, um meine Eltern zu besuchen. Ich habe viel geweint damals.“

Viele Mädchen hatten nach dem Krieg keine Wahl, viele gingen in Stellung. 1952 kam sie aus der Schule. Die Familie wohnte in Walkenried im Harz, Grenzgebiet. Es gab kaum Lehrstellen. Nachdem sie auch in einer Knopffabrik gearbeitet hatte („Das war nix für mich“), landete sie in einer Bäckerei als Ladenhilfe. Als das Hausmädchen der Bäckersfamilie wegging, musste Oma Traudchen für sie einspringen, Schweine füttern, auf dem Feld helfen und auch kochen. „Ich habe mir das selbst angeeignet“, sagt sie. „In der Berufsschule hatten wir auch Kochen. Da haben wir Haushaltshilfe gelernt, dazu gehörte Hauswirtschaft, Kochen, Babypflege und Nähen. Es hieß immer: Du bist ein Mädchen, du heiratest sowieso, lern Haushalt. Also habe ich das gemacht.“
Während sie das erzählt, würfelt sie geschickt die Zwiebeln klein und vermengt sie in einer großen Schüssel mit dem Mett, den Gewürzen und dem Gouda. Eigentlich verlangt das Rosenkuchenrezept nach 300 g Gouda. Oma schnibbelt das ganze Stück: „So genau nehmen wir das nicht, Hauptsache, es schmeckt.“ Wir merken uns: Viel Käse schmeckt sehr gut. „Jetzt holen wir erstmal die Petersilke aus dem Garten.“

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Petersilke

Während Oma Traudchen mit ihren Händen das Mett mit den restlichen Zutaten durchknetet, haut sie noch ein Ei rein. Als ich sie frage, ob das so im Rezept steht, sagt sie: „Nein. Aber dadurch wird es geschmeidiger. Aber ihr haltet euch lieber erstmal ans Rezept. Da bekommt man ein Gefühl für.“
Was sie gar nicht mag übrigens, ist Ziegenkäse. „Bäh“, sagt sie dann. Ihre Familie hatte in Walkenried stets Ziegen gehalten, und ihre Mutter, Uroma Emmi, hat die Ziege komplett verarbeitet: das Fleisch verarbeitet, Milch zum Trinken, zum Kochen verwendet, hat daraus Butter und Sahne gemacht. Jetzt mag Oma den Geschmack nicht mehr. Als Nächstes rührt sie, mittlerweile stolze 78, den Teig für den Rosenkuchen an. „Quark, Quark, Quark, alles für ’ne Mark“ – schon wandert die Packung Magerquark in die Schüssel. „Salz, Gott erhalt’s!“ und eine ordentliche Prise Salz kommt dazu. „Scheiße“, sagt sie, als etwas daneben geht. Als ich sie frage, warum sie den Teig glattrührt, bevor das Mehl reinkommt, hält sie inne. „Einen Zement mal“. Erstmal anstoßen. Der Sekt kommt auf den Tisch. „Prost, Prost, Prost, der Arsch, der ist bemoost. Das hat meine Freundin immer gesagt. Jedes Mal, wenn man sich zuprostet, muss ich daran denken.“

Rosenkuchen

Zutaten für 32 Stück:
2 Eier
1 kg Thüringer Mett
4 EL Tomatenmark
2 Zwiebeln
300 g Gouda
1 TL Majoran
1 TL Cayennepfeffer
1 Bund Petersilie
300 g Magerquark
14 EL Milch
12 EL Sonnenblumenöl
600 g Mehl
2 Packungen Backpulver
1 TL Salz

Den Backofen auf 180 Grad Umluft vorheizen. Zwiebeln klein würfeln, Gouda würfeln. Eier trennen. Mit dem Mett, den Gewürzen, dem Tomatenmark, dem Eiweiß und der Petersilie in einer großen Schüssel verkneten. Anschließend Quark, Milch, Öl und Salz verquirlen und dann die Hälfte vom Mehl und Backpulver untermischen. Dann den Rest Mehl dazugeben und verkneten. Den Teig auf einer bemehlten Fläche ausrollen und das Hack darauf verteilen. Dann vorsichtig zusammenrollen (wie im Video). In große Stücke schneiden, auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech verteilen (oder in eine gefettete Springform eng aneinander legen, dann werden die Ränder weicher und der Rosenkuchen höher). Eigelb mit zwei Esslöffeln Milch verrühren und den Rosenkuchen damit bestreichen. Für 35 bis 40 Minuten backen. Dazu schmeckt grüner Salat mit Joghurtsauce vorzüglich.

Zum Schluss gibt uns Oma Traudchen noch eine Weisheit mit auf den Weg: Du kannst dich drehen, wie du willst, der Arsch bleibt immer hinten.
In diesem Sinne: Bon Appétit!

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